Monitor
19.12.2012
Monitor 1/2013
Schockierend die Nachricht von Anfang Dezember, als in Holland ein Linienrichter beim oder nach dem Spiel von psychopathischen Fußballspielern zu Tode getreten wurde. Auch hierzulande soll es im Amateur- und Jugendbereich gegenüber den Unparteiischen immer rabiater zugehen, so dass es absolut erstaunlich ist, dass sich immer noch Wochenende für Wochenende tausende von Schieds- und Linienrichter zu ihrer überwiegend ehrenamtlichen Tätigkeit bereit finden. Ich hätte mich gar nicht gewundert, wenn in einer Art Solidaraktion etwa 90 % aller Unparteiischen im niederländischen Amateurfußball spontan ihre Pfeife da endgültig niedergelegt hätten! So macht’s ja nun absolut keinen Spaß mehr, und jene cholerischen Amateurtreter könnten dann ungehindert von irgendwelchen Pfeifenmännern sich hemmungslos gegenseitig die Knochen polieren. Überhaupt sollte man sich angesichts der wachsenden Unlust junger Leute sich als Schiedsrichter von Horden fanatisierter Hitzköpfe regelmäßig beschimpfen oder gar malträtieren zu lassen, beim DFB vielleicht mal überlegen, ob man zur Not nicht auch ganz ohne Unparteiische auskommen könnte, zumindest sagen wir mal unterhalb der Kreisliga-Ebene. In anderen Amateursportarten müssen auch viele Ligen ohne offizielle Schiedrichter auskommen, was notwendigerweise Sportlichkeit und Fairness fördert. Denn sollten sich zwei Teams nicht auf ein vernünftiges Spiel bzw. auf ein gültiges Endresultat einigen können, so wird es beispielsweise für beide mit 0 Punkten gewertet. Und wenn eine Mannschaft sagen wir das dritte Mal innerhalb einer Saison an so einem Vorfall beteiligt ist, wird sie für den Rest der Saison von der Staffel ausgeschlossen. Ist mehr als die Hälfte der Mannschaften im Laufe der Saison suspendiert worden, könnte die ganze Staffel aufgelöst werden. Vielleicht sind diese angedachten Maßnahmen noch nicht ganz ausgereift, aber zumindest könnten sie eine Denkrichtung aufzeigen, wie man dem sich immer deutlicher abzeichnenden Schiedsrichtermangel in Zukunft begegnen könnte...
Ebenfalls im Dezember unterlief Schiedrichter Stark jenes Missgeschick mit der roten Karte für den Dortmunder Schmelzer für dessen "Phantomhandspiel". Unmittelbar nach Spielende konnte Stark zusammen mit dem offiziellen Spielbeobachter in der Kabine seine Fehlleistung am Monitor begutachten und wurde im Anschluss dann wie folgt zitiert: "Anhand der Fernsehbilder hat man natürlich gesehen, dass kein Handspiel vorlag - somit ein Wahrnehmungsfehler. Ein klarer Fehler von mir. Das tut mir natürlich leid." So weit so ehrlich, nur warum wurde ihm diese Einsicht erst nach dem Spiel gewährt, wo eh alles gelaufen war? Fassungslos schüttelt man wieder mal den Kopf vor der ewig gleichen Frage: Warum nur muss im Fußball die sportliche Gerechtigkeit immer wieder derartig in den Dreck getreten werden? Warum sollte hier nicht möglich sein, was in weitaus weniger finanzstarken Sportarten längst an der Tagesordnung ist: die sofortige Konsultation der Videokamera bei strittigen und möglicherweise spielentscheidenden Szenen!? Es gereicht doch der ganzen Sportart zur Schande, wenn der Fußball sich vor den Augen der Weltöffentlichkeit in technischer Hinsicht immer wieder als ewiggestrig präsentiert und sich damit beinahe wöchentlich der totalen Lächerlichkeit preisgibt. Als wenn es noch zusätzlicher Argumente bedurft hätte folgte dann auch gleich noch ein weiteres an sich regelgerechtes, aber eben wieder mal nicht gegebenes Tor im Pokal-Achtelfinale (für München in Augsburg, diesmal zum Glück ohne spielentscheidende Folgen).
Fast schon ein wenig erstaunlich, dass Schmelzer am Ende nicht doch noch gesperrt wurde, glänzte die DFB-"Rechtsprechung" in der Vergangenheit doch regelmäßig mit Strafen für Spieler oder Vereine trotz erwiesener Unschuld der Betroffenen, eben getreu dem Motto "gepfiffen ist gepfiffen"... ("verpfiffen" würde es hier wohl besser treffen). Womit wir auch schon beim nächsten Schwachsinnsurteil durch die DFB-Oberen wären: abermals wurde Dynamo Dresden also von der nächsten Pokalhauptrunde ausgeschlossen. Nachdem man seitens des DFB dem Verein noch eilends versichert hatte "nichts falsch gemacht" zu haben, verfiel man dann doch wieder in den altbekannten stumpfsinnigen Aktionismus und bestrafte statt der Randalierer (derer man anscheinend nicht habhaft werden konnte) eben den Verein. Also wenn man beim DFB schon der Ansicht ist solcher gewalttätiger Umtriebe rund um manche Pokalbegegnungen nicht Herr zu werden, dann sollte man statt willkürlicher Strafexpeditionen gegen hilflose Vereine doch lieber mal den ganzen Wettbewerb absagen!
Nach gutem Saisonbeginn und den beiden überragenden Siegen in Dortmund und bei Arsenal London binnen einer Woche hat die Mannschaft von Schalke 04 die Saison offenbar bereits Ende Oktober innerlich abgehakt. Die abenteuerliche Talfahrt seither mit einer desolaten Vorstellung nach der andern und mit dem Abschenken des Pokalspiels gegen Mainz als negative Krönung lässt Schlimmes befürchten für die Rückrunde. Das Überstehen des ChampionsLeague-Achtelfinales dürfte so bloß reine Utopie sein (egal wie der Gegner auch heißen mag), und in der Bundesliga kanns nun eigentlich nur noch um den Klassenerhalt gehen. Zum Glück für Schalke scheinen mit Augsburg und Fürth zumindest schon zwei Absteiger frühzeitig festzustehen diesmal...
Ceterum censeo legem seorsi esse tollendam, Helmut Morgenweg.