15.09.2010

Monitor 5/10


Leser!

Mittlerweile ist nun auch die 19. Fußball-Weltmeisterschaft schon wieder Geschichte, und als achte Gewinnernation konnte sich also (endlich!) verdientermaßen Spanien in der Ehrentafel verewigen. Unglückliche Niederländer mit ihrer dritten Finalniederlage - nur Deutschland bringt es da mit sogar vier verlorenen Endspielen auf noch mehr Pech. Aber das alles ist ja hinlänglich bekannt und sei hier nur noch mal zur Erinnerung erwähnt.

In die neue Bundesliga-Saison starteten ja besonders die beiden Aufsteiger furios, was aber sicherlich noch nicht viel heißen will - obwohl, da war doch schon mal was mit Kaiserslautern als Aufsteiger... Und wie wenig Aussagekraft die ganzen Vorbereitungsspiele haben war mal wieder deutlich am Beispiel Schalke zu sehen: da konnten sie noch einen dubiosen Sponsorenpokal in der heimischen Arena gewinnen mit Kurzspiel-Siegen über den HSV und Bayern, als es dann aber nur wenige Tage später erstmals in der Saison um was ging wurde aber just gegen dieselben beiden Gegner sang- und klanglos verloren (Supercup und erster BL-Spieltag).

Kurz vor Redaktionsschluss endeten ja auch die Qualifikationsspiele zur Gruppenphase der beiden Europacup-Wettbewerbe. Und da steht die deutsche Bundesliga mit ihrer bestmöglichen Ausbeute - je drei Teams in CL und EL - ja bislang ganz gut da, auch wenn der Erfolg Werder Bremens wirklich am seidenen Faden hing und der VfB Stuttgart diese gute Auftaktbilanz dann beinahe noch verstolpert hätte. Das Unternehmen "Angriff auf den vierten Champions League-Platz von Italien" geht also in die nächste Runde.

Die teils eklatanten Schiedsrichter-Fehlleistungen bei der WM befeuerten ja wieder die seit Jahren anhaltende Diskussion über die Nutzung von technischen Hilfsmitteln zur Entscheidungsfindung auf dem Platz. Und vollkommen gegen seine innere Überzeugung hat FIFA-Boss Blatter daraufhin etwas kleinlaut eingeräumt, dass nun vielleicht doch mal über den längst fehlerfrei funktionierenden "Chip-im-Ball" nachgedacht werden soll. Na dann kann es sich ja nur noch um wenige Generationen handeln, bis dabei was sinnvolles harauskommt. Einstweilen möchte man seitens Blatter und umnachteter Konsorten also erst mal noch weitere Torrichter aufs bzw. neben das Feld schicken. Bald schon also werden die Umkleidekabinen in den großen Stadien für die jeweils angesetzte Armada von Unparteiischen deutlich geräumiger ausfallen müssen als jene für die beiden spielenden Teams. Anstatt also die längst überfällige Einführung einer allenthalben vorhandenen Technik voranzutreiben schwadroniert Blatter wieder mal über weltfremde Ideen wie die Abschaffung von Unentschieden in der WM-Gruppenphase. Vielleicht sollte man den senilen FIFA-Präsidenten doch endlich mal zum Rücktritt bewegen, bevor sein immer bedrohlichere Ausmaße annehmender Altersstarrsinn dem Fußball noch mehr Schaden zufügt. Der Umstand, dass die FIFA im Gefolge Blatters auch weiterhin wild entschlossen beide Augen fest vor der Realität verschließt und jegliche sportliche Gerechtigkeit mit Füßen tritt quittierte der Kicker am 16.08.2010 mit einer treffenden Karrikatur, in welcher Blatter mit erhobenem Zeigefinger und glückselig-entrücktem Lächeln seine ultimativen Lösung präsentiert: "Wir spielen künftig ohne Ball!".

Und in dieser Situation schaffte es dann Schiedsrichter-Kommissionschef Fandel dem sprichwörtlichen Fass den Boden auszuschlagen, indem er tatsächlich allen Ernstes dafür plädierte, die Wiederholungen strittiger Szenen nicht nur im Stadion sondern auch generell im Fernsehen zu unterbinden. Da drängt sich doch spontan die Frage auf, ob Herr Fandel noch ganz bei Trost ist. Statt den jeweiligen Schiedsrichtern die TV-Bilder noch auf dem Platz zugänglich zu machen sollen sie also am besten aller Welt vorenthalten werden! Wozu eigentlich überhaupt noch Kameras ins Stadion lassen? Und eigentlich könnte man dann auch gleich noch die Zuschauer als unliebsame Augenzeugen von Schiedsrichter-Fehlentscheidungen aus dem Stadion verbannen. Es reicht doch aus, wenn der Unparteiische nach dem Spiel den Pressevertretern Ergebnis und Torschützen mitteilt, das würde jedenfalls ganz sicher "den Schiedsrichtern helfen und den Druck nehmen", um noch mal mit Fandel zu sprechen. Dessen verbale Entgleisungen wurden übrigens bereits am 02.08.2010 im Kicker entsprechend gewürdigt und in einem aussagekräftigen Kommentar ad absurdum geführt.

Nur zwei Jahre nach Einführung der eingleisigen dritten Liga ist man also mit der Neuordnung der Regionalliga auf Level 4 so unzufrieden, dass bereits wieder über eine neuerliche Umstrukturierung nachgedacht wird. Mitte Oktober soll nunmehr eine Entscheidung darüber fallen, wie es künftig mit der vierten Liga weitergeht. Dabei stehen unterschiedliche Modelle zur Debatte wobei inständig zu hoffen ist, dass endlich jene Variante zur Einführung gelangt, welche den ganzen Profi-Reserven eine eigene Staffel zuweist! Dieses Thema wird jedenfalls von meinen alljährlichen Struktur-Analysen im deutschen Ligafußball so nachhaltig tangiert, dass ich demnächst mal einen eigenen Artikel dazu veröffentlichen möchte.

einstweilen bleibt mir mein immerwährender Appell ceterum censeo legem seorsi esse tollendam...

Helmut Morgenweg